24.03.2012

gorleben 365 Jugendblockade

Wir kamen um 15.45 Uhr in der strahlenden Märzsonne beim Salinasgelände an. Dort waren wir die ersten, noch nicht mal die Polizei war da. Diese kam genauso wie die ersten Jugendlichen ein paar Minuten später. Bei facebook hatten 149 Leute zugesagt,

uns war klar, dass es nicht so viele werden würden, aber wir konnten überhaupt nicht einschätzen, wie viele es tatsächlich werden. Deshalb waren wir mit jedem Auto was ankam und 4-9 total motivierte Jugendliche absetzte, erleichterter. Auch aus dem Camp in Gedelitz kamen noch einige Jugendliche und als wir schließlich um 16.00 Uhr mit der Aktionsvorbereitung anfingen, waren wir 30 Leute.
Dass die Jugendlichen aus der ganzen Republik (von Eckernförde bis nach Bayern) kamen stellte sich bei der Begrüßungsrunde heraus. Wir saßen im Schatten der großen Kiefern und besprachen unsere Aktion.

Es zeigte sich, dass wir vom Alter, Wohnort und Erfahrungsstand eine total gemischte Gruppe waren, was alles sehr viel interessanter machte. Als wir schließlich die 6 Bezugsgruppen für die 6 Tore aufgeteilt und alles Wichtige besprochen hatten, war es ca. 18.30 Uhr. Deshalb beschlossen wir, den Aktionsbeginn auf 18.45 Uhr vorzuverlegen.
Nachdem wir uns versichert hatten, dass alle bereit waren und uns gegenseitig Mut gemacht hatten, gingen wir als große Gruppe zu Tor 1, wo wir uns von den Bezugsgruppen 6 und 1 trennten. Danach setzten wir die Bezugsgruppen 2, 3 und 4 bei ihren Toren ab. Schließlich waren wir nur noch zu sechst, auf dem Weg zu Tor 5.
Wir sahen schon von weitem, dass die Polizei mit zwei großen Fahrzeugen und fünf Personen vertreten war. Wir überlegten uns kurz, wie wir vorgehen wollen, um direkt an das Tor zu kommen. Als ich nah an den Autos dran war, sah ich, dass sie zu dicht aneinander standen, um zwischen ihnen hindurch zu kommen. Deshalb quetschte ich mich zwischen Auto und Tor entlang und setzte mich sofort vor das Tor. In der Zeit versuchten die anderen von vorne durch die Polizeikette zu kommen. Um ihnen zu helfen, sprach ich die Polizisten von hinten an. Doch sie ignorierten mich und konzentrierten sich auf die Jugendlichen, die vor ihnen standen. Diese schafften es leider nicht, die Polizeikette zu durchfließen und setzten sich stattdessen vor die Füße der Polizisten auf die Erde.
Es war mal wieder ein ziemlich ungewöhnliches Erlebnis, wie wir da im Dunkeln vor diesen riesigen Polizistenmenschen in dicker fetter Uniform mit Helm, Pistole und Schlagstock am Gürtel, saßen.“ (Alissa)
Es folgten einige Diskussionen, die zeigten, dass „unsere“ Polizisten wirklich sympathisch waren.
Sehr umgänglich fand ich die Polizisten. Sie wollten zwar keine Gummibärchen, haben sich aber auf Diskussionen eingelassen.“ (Lissy)
Leider verhinderten sie trotz ihrer Freundlichkeit alle Versuche der anderen, vors Tor zu kommen.
Als ein bisschen Ruhe in die Situation gekommen war, parkten die Polizisten das am Tor stehende Fahrzeug um, so dass es (wie ich leider zu spät bemerkte) direkt am Tor stand.
Wir sangen, redeten, spielten und hörten Musik.
Da saßen wir dann, haben gesungen, geredet, ein bisschen Kleinkram gegessen und später immer mehr mit der Kälte gekämpft.“ (Alissa)
Von meiner Position aus hatte ich den perfekten Blick auf das Geschehen. So konnte ich genau hören, was die Polizisten leise besprachen und sehen, wenn sich irgendwo eine Lücke ergab. Einem von uns gab ich ein Zeichen und er sprang durch die Polizeikette zu mir und setzte sich neben mich. Sofort kamen zwei Polizisten an und zerrten ihn wieder auf die andere Seite der Polizeikette. Mich ließen sie nach wie vor sitzen.
Da wir die Befürchtung hatten, dass sie die eine Torhälfte mit den Autos davor öffnen wollen, versuchte ich mich vor genau diese Seite der Tores zu setzen. Da stand nur leider der Polizeiwagen, deshalb musste ich mich halb unter ihn setzen. Das war aber auch wesentlich wärmer, was in der Nachtkälte ein Vorteil war. Es wurde nämlich immer später.
Da wir so gut abgelenkt waren, merkte ich kaum, wie schnell die Zeit verging. Nur die Kälte, die nach und nach in unsere Glieder kroch, spürte man mit jeder verstreichenden Minute mehr.“ (Stefan)
Man merkte den Polizisten an, dass sie keine Lust mehr hatten, dort in der Kälte herumzustehen. Ganz im Gegensatz zu uns, konnten sie aber zwischendurch immer mal eine Pause im warmen Polizeiauto machen. Trotzdem jammerten sie mehr als wir, was aber sehr amüsant war.
Insgeheim waren sie bestimmt neidisch. Es ist doch viel cooler (und wärmer), so hippiemäßig rumzusitzen, als einsam an einem Tor zu stehen.“ (Lissy)
Durch die wechselnden Polizisten gab es immer mal wieder neue Gesichter, was die Langeweile ein wenig vertrieb. Auch der Einsatzleiter besuchte uns mal und wollte sich die Lage anschauen.
Wir spielten ein Rollenspiel, doch die Polizei hat uns unterbrochen, weil sie von uns Fotos machen wollte. Aus ihrer Sicht war das eine unangemeldete Demonstration. Meinen Ausführungen, dass es sich um einen Spieleabend handle, wollten sie keinen rechten Glauben schenken.“ (Stefan)
Eigentlich sollte der Schichtwechsel zwischen 20 und 21 Uhr stattfinden. Doch auch nach 21 Uhr passierte noch nichts. Zwischendurch bekam ich Süßigkeiten und Decken zugeworfen, denn es war schon sehr einsam und kalt, allein vorm Tor zu sitzen.
Zum Glück kam jemand vorbei und verteilte Decken. Als wir uns in jene gehüllt hatten war auch das Problem der Kälte behoben.“ (Stefan)
Die Polizisten boten mir netterweise an, dass ich auch gerne raus, zu den anderen Süßigkeiten, Decken und Jugendlichen könne. Dieses Angebot lehnte ich jedoch dankend ab, weil ich meinen Platz vor dem Tor nicht aufgeben wollte.
Mit der steigenden Anzahl von Jugendlichen kamen auch immer mehr Polizisten. Schließlich bestand die Polizeikette aus neun, mit Helm und Beinschützern ausgerüsteten BeamtInnen. Das zeigte uns, dass der Schichtwechsel wahrscheinlich demnächst stattfindet. Um 22.00 Uhr erhielten wir den Anruf, dass sich ein Autokonvoi beim Zwischenlager sammelte. Die Polizei hatte wohl nicht damit gerechnet, dass wir so lange bleiben würden. Deshalb räumten die Polizisten die Bezugsgruppe an Tor 2 um ca. 23.00 Uhr, so, dass der Wachwechsel mit drei Stunden Verspätung stattfinden konnte.
Sich zu widersetzen und seinen eigenen Körper zusammen mit FreundInnen als Bollwerk und als Schutz für andere Menschen vor großer Gefahr einzusetzen ist immer eine besondere Erfahrung und so war es auch dieses Mal. Und doch war es ein wenig anders: Wir blockierten ein Bergwerk, das seit Generationen als Symbol für die menschenverachtende Atomkraft und als Dreh- und Angelpunkt der Umweltbewegung gilt.“ (David)
Wir Jugendlichen bei Tor 5 sahen die Autos, wie sie auf dem Gelände an uns vorbeirasten, um schnell aus Tor 2 rausfahren zu können, bevor sich wieder Leute davor setzen. Das war für uns das Zeichen, dass die Blockade jetzt beendet werden kann. Nach vier Stunden Sitzen in der Kälte mussten wir erstmal „aufwachen“, damit wir dann, müde aber zufrieden die anderen Bezugsgruppen abholen und zu den Haupttoren gehen konnten.
Ich glaube, keiner hat damit gerechnet, dass der Abend so lang und vor allem SO kalt werden würde.“ (Alissa)
Dort machten wir mit den Übriggebliebenen eine Abschlussrunde, in der noch mal deutlich wurde, wie erfolgreich wir waren:
Ich fand die Blockade richtig schön und es war toll, dass alle so gut mitgemacht haben.“ (Till)
Ich würde mich auf eine neue Jugendblockade freuen.“ (Jule)
Ich werde das Wochenende sehr positiv in Erinnerung behalten und freue mich schon auf mein nächstes Mal im Wendland.“ (Stefan)
Wir (laut der Polizei 80) Jugendliche waren bis zum Schluss sitzen geblieben und haben alle sechs Tore blockiert. Und durch jede/n von uns konnte es eine bunte, lebendige, jugendliche, fröhliche, wunderschöne, erfolgreiche und nach Frühling duftende Aktion werden.
Wir kommen wieder.
Clara Tempel, Jeetzel, 16 Jahre

Ruben Neugebauer / Chris Grodotzki - visual-rebellion.com

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